Pandemie Betrachtungen IV

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Die letzte Pressekonferenz des Robert-Koch-Institutes (https://www.tagesschau.de/inland/rki-briefing-103.html) motivierte mich, ein paar Beobachtungen zu unserem Umgang mit der Krise zu notieren. 

Vor ein paar Tagen fuhr ich von Potsdam nach Berlin-Kreuzberg. In Berlin  haben sich die Menschen vorbildlich an die AHA-Regeln gehalten. Man sah kaum Jemanden in der S-Bahn, der nicht einen Mund-Nasenschutz trug. Was mich traf, war zu sehen, wie weit der kulturelle-soziale Niedergang schon fortschreitet. Ich beobachtete viele geschlossene Geschäfte und Restaurants; laut einer Wirtin, die wir bei einem Kaffeehausbesuch trafen, sperrten viele Läden nach dem Lockdown gar nicht mehr auf und viele ringen mit dem geschäftlichen Überleben. Hierzu eine andere Beobachtung aus dem Karstadt in Potsdam, wo ich an der Kasse darauf hingewiesen wurde, das ich ja auch 24/7 Online bei Karstadt einkaufen könne!

Eine konträre Wahrnehmung  der AHA-Regeleinhaltung von heute aus Brandenburg:
In Beelitz sah man am Eingang zum Barfusspark kaum Jemanden der Abstand hielt, Menschenmassen zogen zu dem Pfad und bildeten eine lange Schlange vor der Kasse (wir sind umgekehrt). Geschätzt 300 Leute hielten wenig Abstand. Zugegeben, das war im Freien, trotzdem kamen mir die Besucher arg sorglos vor.
Einige wenige Besucher versuchten sich an Abstandsregeln zu halten, insgesamt war ich erstaunt, wie sorglos die Besucher Corona-bedingte Regeln einhalten.

Im Supermarkt beobachte ich vor allem ältere Mitbürger, denen die Maske egal zu sein scheint. Ich betone, das ist eine sehr subjektive Beobachtung. Insgesamt würde ich sagen, dass sich dort schon die Meisten an die Regeln halten.

Sinn und Unsinn der Regeln? 

Nur sind diese Regeln auch teils so widersinnig, dass man kaum nachvollziehen kann, was sie überhaupt bringen sollten! Im Hort unserer Kinder galten zum Beispiel keine Abstandsregeln (siehe: https://www.brandenburg.de/cms/detail.php/bb1.c.669399.de)
In meinem Patria Österreich wurden die Corona-Ausgangsregeln die zu Beginn der Krise in „aufgestellt“ wurden vom Verfassungsgerichtshof gekippt. Der Umgang mit Clustern ist auch sehr eigenartig. In St. Wolfgang läuft alles weiter, trotz über 50 Fällen, Schulen wurden jedoch wegen Einzelfällen geschlossen.
Wie dem auch sei, der Umgang mit dem Virus ist schwierig, und ich möchte nicht der Entscheidungsträger sein, der Maßnahmen zu verantworten hat; aber vielleicht muss man den Ansatz komplett ändern, da die widersinnigen Maßnahmen ohnehin so unterschiedlich sind, dass mir deren „Schutzfunktion“ teils schleierhaft ist. Eine Absurdität, die ich ebenfalls heute hörte, ist, dass die Einreisebestimmungen teils nicht einmal von den exekutierenden Organen gekannt werden, wie im österreichischen Burgenland: https://burgenland.orf.at/stories/3059823/
Wenn die Kurzarbeitsregeln hierzulande (Deutschland) auslaufen und die Pleitewelle nicht abreißt, dann wird die Abwägung zwischen Gesundheit und allem Anderen eine furchtbar schwierige sein, die die Entscheider treffen müssen, aber vielleicht müssten sie das gar nicht, wenn nicht endlich smarte Konzepte wie das von Herrn Kerkule vorgeschlagene Smart Distancing umgesetzt werden würden, sprich: Risikogruppen besonders schützen und sonst Masken, bis der Impfstoff da ist. Kerkule hat das immer wieder gefordert, siehe z.B. https://www.zeit.de/wissen/2020-05/lockerungen-corona-massnahmen-lockdown-oeffnungen-schulen-alexander-kekule. Leider ist die Politik in ihren Sachzwängen und ihrer Klientelpolitik gefangen. Von „Smart Distancing“ ist nichts zu sehen, man reagiert und agiert immer, Regeln werden aufgestellt und ohnehin nicht exekutiert, und was ist eine Regel, auf die ohnehin keine Konsequenz wie eine Geldstrafe droht? 

Provokativ gesagt: Einfach alle „Regeln“ kippen?

Vielleicht sollte man einfach alles Regeln kippen? Wenn sich ohnehin nur ein Teil und kaum einer an die „Regeln“ hält. Was mir komplett fehlt, ist ein Schutz von Risikogruppen, ein „smarter“ Umgang mit der Pandemie, so dass Risikogruppen identifiziert und vermehrt getestet werden. Wird den mittlerweile ein Pooling von Riskikogruppen durchgeführt? Was ist mit „Billigtests, sobald diese in der Entwicklung weit genug sind, sollten diese schnell verteilt werden, in der Pipeline ist schon einiges, siehe: https://www.nytimes.com/2020/07/03/opinion/coronavirus-tests.html

Nein, ich denke nicht, dass es der richtige Weg ist, einfach dem Virus freie Bahn zu lassen, es wäre jedoch schön, wenn endlich der „smarte“ Umgang konzipiert und umgesetzt würde.

Ein anderer Blickwinkel 

Betrachten wir die Krise doch einmal von einer anderen Perspektive und sehen uns an, was so an Schaden angerichtet wird: Wenn ich vermehrt lese, wie viele Kinder von Hunger wegen Corona sterben könnten, dann beginnt man sich andere Fragen zu stellen. Oxfam schreibt beispielsweise, das täglich bis zu 12 000 Kindern an Hunger aufgrund von Corona sterben könnten: 

„By the end of the year 12,000 people per day could die from hunger linked to COVID-19, potentially more than will die from the disease itself“

(Quelle: https://www.oxfam.org/en/research/hunger-virus-how-covid-19-fuelling-hunger-hungry-world).