Pandemie Betrachtungen 4: Globales Trauma & Blaulicht

Follow on FacebookTweet about this on Twitter

Meine Frau musste sich Dienstag den 23.3 auf Weisung des Gesundheitsamtes einem „Corona Test“ unterziehen. Das Testresultat erhielten wir Donnerstag Vormittag; es war negativ. Einerseits fühlte ich darauf hin Freude, andererseits hat aber meine Freude einen leicht schalen Beigeschmack: Wie kann man sich da nur richtig freuen? Man kann sich dieses Ding ja ohnehin jederzeit einfangen und werden das im Laufe der Zeit wohl auch. 

Globales Trauma 

Es kommt einem vor, das man täglich in einem nicht endenden Alptraum aufwacht. Das erinnert mich wieder an meine Zeit im Virchow-Klinikum 2008 mit einem signifikanten Unterschied, und zwar, dass nun die ganze Welt ein Trauma hat. Als ich die mehr als drei Monate im Krankenhaus lag, konnte ich wenigstens auf eine “normale“ Welt “draußen“ blicken, in die ich irgendwann zurückkehren würde, wenn ich genese. Wie ist das jetzt, auf welche Welt blicken wir nun?  Ich bin aber auch diesmal sicher, das wir damit umgehen lernen und eine Lösung finden werden.

Und währenddessen? Es heißt die Moral hochhalten! Wenn wir schon in einen Abgrund blicken, dann mit Stolz. Eine gut austarierte Mischung aus Verdrängung und Akzeptanz, gepaart mit Ablenkung, helfen meiner Meinung nach ganz gut.  Ich arbeite und lerne, teils um mich abzulenken. Was lerne ich? Ich lerne ein Grundschullehrer zu sein, fuchse mich weiter in Serveradministration ein, unterstütze die E-Learning Bestrebungen in meiner Arbeitsgruppe, wo ich kann und schraube an einem Skript.

Und sonst? Ich backe Brot, spiele mit den Kindern und  höre Bossa-Nova Klassiker auf Vinyl. Wer Empfehlungen braucht, der möge mir bitte schreiben. 

Blaulicht vor der Haustüre

Ich kam vom Einkaufen zurück; Lebensmittel einkaufen vom Aldi, war noch nie so eigenartig. Mit Gummihandschuhen und Schal bewaffnet, ging ich wie ein Geist, durch die fast leeren Gänge. Als Frühaufsteher, war ich gleich um 8 Uhr im Aldi, der direkt neben uns ist. Interessant ist, das doch leicht aggressive Verhalten Einiger zu beobachten, das wohl von einer Art Panik herrührt. Als ich zurückkam, stand ein Rettungswagen und der Notarzt vor der Tür unserer fast 80-Jährigen Nachbarn und ich dachte „F#+**ck“ jetzt geht es bei uns los. Meine fast 80-jährige Nachbarin, die wie eine Ersatzoma für unsere Kids ist, wurde mit Verdacht auf einen Schlaganfall in das Ernst-von-Bergmann Klinikum geliefert. Wie sich dann herausstellte, war es nur ein Schwächeanfall und uns fiel ein Stein vom Herzen!!  Wir hoffen, Sie hat noch viele schöne Tage!

Lesefortschritt: „Die Pest“

Mit dem Camus Klassiker bin ich zu dreiviertel durch. Die Ereignisse, die Camus in die Pest nachzeichnet,  gleichen sehr den Ereignissen und auch den Gefühlslagen, denen wie uns gerade ausgesetzt sehen. Auch die Entwicklung…  Scheinbare Normalität, wachsender Abgrund, religiöser Fanatismus… Die einen gehen exzessiv Ihren Hobbys nach, andere werden gläubig, anstatt sonntäglichen Hobbys nachzugehen. Evangelische Prediger, die von der Geisel Gottes sprechen…  Leugner…  Die Radios (in die Pest), blicken auf die täglichen Totenzahlen. 

All diese Phänomene der Krise sehen wir doch auch gerade? 

  • Blende: ƒ/2
  • Kamera: CLT-L29
  • Aufgenommen: 29 März, 2020
  • Blitz: Nein
  • Brennweite: 3.36mm
  • ISO: 160
  • Verschlusszeit: 1/30s