Wie mich ein vergessener OP Faden zur (vorübergehenden) Gehunfähigkeit verdammt

Letzte Woche ging ich zu einem Routinebesuch zu meinem Orthopäden. Der Stumpf schaute gut aus, es schien alles in Ordnung, aber Moment mal, da ist diese erhabene Stelle, so gross wie ein Pickel. Man sah, daß die Ärzte vor 2.5 Jahren wohl OP Faden vergessen hatten. Ok, das scheint nicht tragisch zu sein. Mein Arzt ritzte mit dem Skalpell die Stelle leicht an und fischte den ca. 4 cm langen Faden gekonnt heraus. Peinlich, dass die Klinik nicht den ganzen Faden gezogen hat und der Faden auch kein Selbstauflösender war.  Die Wunde wurde mit einem Pflaster verklebt und ich zog die Prothese an und lief den ganzen Tag weiter herum. Am Abend, nichts ahnend, zog ich die Prothese aus und siehe da, ich hatte eine Schürfwunde, aber nicht an der Stelle an der der Faden lag? Was ist passiert? Es ist Luft unter das Pflaster gelangt und durch Reibung ist Hitze entstanden. An einer Stelle habe ich mir die oberste Schicht der transplantierten Haut aufgerieben. Nun muss ich ein paar Tage Pause machen, bis die Stelle abgeheilt ist. Gut geht es mir nicht dabei, ich kämpfte solange vor meine Mobilität, das mir die Zwangspause nicht bekommt. Was mich ärger ist, dass man sich schnell wieder sehr hilflos fühlt; aber ich weiss, sollte ich irgendwann nicht mehr mit der Prothese laufen können, auch dann werde ich nicht die Flinte ins Korn werden und eben rumrollen. Oder vielleicht mit einem solarbetriebenen Flugrollstuhl herumfliegen? Ich stelle mir auch die Frage, wie empfindlich die Spalthaut (= transplantierte Haut) ist, bin aber der Meinung, dass es ja bisher ganz gut lief. Man lernt als Prothesenträger ständig dazu. Mein Anspruch ist es jedenfalls, bald wieder zu laufen und solange als möglich zu laufen! Was man an dem Missgeschick wieder sieht, wie eine Kleinigkeit zur nächsten führt bis daraus ein größeres Problem entsteht: Shit happens eben.

Resumee: Ein halbes Jahr mit Prothese

Vor einem vor einem halben Jahr bekam ich die sogenannte Interimsprothese, was mich dazu veranlasst wieder ein Resümee zu ziehen. Vieles hat sich verbessert, einiges bereitet mir weiter sorgen. Vor einem Jahr zogen wir in unser Haus ein. Durch die Bauphase quälte ich mich mit meinem bereits  total kaputtem Bein. Im Nachhinein weiss ich nicht, wie ich es geschafft habe, trotzdem zu arbeiten und alles zu managen. Ohne Aura wäre das alles nicht gegangen. Ich quälte mich. Im Mai 2013 hatte ich einen Termin bei einem Wiener Unfallchirurg, dieser sagte mir, das in seiner Abteilung amputiert werden würde. Dieses Treffen brachte den Stein ins rollen und im August 2013 ließ ich den Unterschenkel amputieren. Im ersten halben Jahr mit Prothese machte ich grosse Fortschritte. Ich bin heute voll Mobil und bewege mich wie ich will. Gerade trete ich etwas auf der Stelle, der alte Schaft passt nicht mehr richtig, ein probeweise angepasster Testschafft passte auch nicht. Der Liner war zu weit, hier haben wir mit einem tollen neuen Liner Abhilfe geschaffen. Alles ist in den Griff zu kriegen, ich bin stundenlang unterwegs, kann mit Aura und den Kindern etwas unternehmen und die Krücken sind seit langem Vergangenheit. Jetzt heisst es mental zu arbeiten, ich bin in den Jahren nach dem Trauma sensibel geworden. 
Nach oben habe ich viel Luft, die ein oder andere Stelle drückt mal. Mal mal weniger, aber ich meistere meinen Alltag und strebe höhere Ziele an – den ich weiss jetzt es geht viel.

Össur Re Flex Shock

Pistorius ehemaliger Sponsor Össur stellt diesen Spitzenfuss her:

Danke an Steven, meinen tollen Techniker bei Knische, für den neuen Schaft und die Testmöglichkeiten!

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  • Blende: ƒ/2.4
  • Kamera: C6603
  • Blitz: Nein
  • Brennweite: 4.1mm
  • ISO: 200
  • Verschlusszeit: 1/40s

Neuer Testfuss: Renegade

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Silikonspritze

Harte Doppelfeder fült sich toll an, man kann Unebenheiten sehr gut ausgleichen und man kann sehr gut damit laufen. Weite Strecken bis 10km und laufen bergab und bergauf waren sehr gut möglich. Am Anfang war ich sehr schnell müde, ich gewöhnte mich aber sehr gut! 

Nachsatz (nicht alles ist rosig): 8 Wochen nach Amputation

Noch ein Nachsatz zu meinem letzten Blogeintrag. Gestern war ich bei meinem ambulanten Orthopäden. Er war wegen der Form des Stumpfes, wegen der daraus resultierenden Druckverteilung und wegen einem riesigen Bluterguss der sich nach den ersten Laufversuchen bildete, etwas beunruhigt. Er sprach davon, das man vielleicht die Weichteile ev. etwas veränderin (Transplantat?) könnte? Durch die Beule und die Birnenform die der Stumpf immer noch hat ist die Druckverteilung sehr schlecht. Das hätten doch die Ärzte der Charité, die immer wieder betonten, dass eine Amputation ihre leichteste Übung ist, beachten müssen? Jetzt ist es aber anscheinend noch zu früh zu beurteilen in welche Richtung sich der Stumpf bewegen wird.
Laut einem meiner Orthopädietechniker ist auch die Form das größte Problem. Er sagte bis jetzt haben Sie noch jeden mit Prothese zum Laufen bekommen. Ich bin mir nicht mehr so sicher ob das so klappt, denke teilweise schon dran man soll mir in einem anderen Krankenhaus einfach mehr entfernen damit das endlich klappt? Mir geht das alles so auf den Nerv!!!!! Auf jeden Fall probiere ich weiter, habe mir einen weiteren Monat als Limit gesetzt und werde mir wieder einmal Meinungen einholen.